BERGSTADT ZWÖNITZ

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Gab es in Zwönitz einen Türmer?

Türmer sind bereits in der Antike belegt. Ihre Aufgabe war es jeher, vom höchsten Turm der Stadt oder Burg vor Gafahren zu warnen. In Zwönitz ist bislang keine ausdrückliche Erwähnung eines Türmers bekannt. Jedoch sprechen meiner Meinung nach einige Indizien für seine zumindest zeitweise Existenz.

Dieser Ausschnitt aus dem Stich von Wilhelm Dilich zeigt die Zwönitzer Pfarrkirche vor dem Brand.

Die Trinitatiskirche in der wohl ältesten, bekannten Darstellung nach dem Wiederaufbau - gefertigt 1776. Deutlich zu erkennen, die damals noch vorhandenen Fenster in der Turmzwiebel.

Der höchste Turm in Zwönitz ist der Kirchturm der Trinitatiskirche oberhalb des Marktes. Von diesem aus hat man einen wunderbaren Rundblick auf das gesamte historische Stadtgebiet. Noch heute erhalten ist der Balkon in Richtung Markt direkt unterhalb der Turmuhr und auf gleicher Ebene zwei große Fensteröffnungen Richtung Osten und Westen. Sowohl auf einer Zeichnung von 1776 als auch letztmalig auf den ersten Zwönitzer Postkarten Ende des 19. Jahrhunderts sind die ursprünglich auch in der Turmzwiebel befindlichen 3 Fenster in Richtung Osten, Westen und Norden zu sehen. Diese wurden Anfang des 20. Jahrhunderts mit Uhren versehen und bei der letzten Sanierung verschlossen. Im ursprünglichen Zustand hatte man also vom Inneren des Turmes eine ideale Übersicht in alle Richtungen. Die Baulichen Voraussetzungen für eine Wachperson bzw. einen Türmer waren demnach zumindest seit der Wiedererrichtung des Turmes nach dem großen Stadtbrand 1687 gegeben. Doch auch vor dieser Brandkatastrophe hatte die Stadtkirche einen stattlichen Turm. Aus dem Bericht des damaligen Stadtrichters Christoph Günther (1658-1727) zum Wiederaufbau der Kirche ist zu entnehmen, dass das vorhandene Mauerwerk lediglich um 5 Ellen (ca. 2,80m) erhöht wurde. Auch auf der ersten existierenden Stadtansicht von Wilhelm Dilich 1629 ist die Stadtkirche mit einem das Kirchendach weit überragenden Turm mit Zwiebel und Haube zu erkennen.

 

Und somit sind wir in der Zeit des dreißigjährigen Krieges angekommen. Verliefen die ersten Kriegsjahre in Zwönitz noch ohne nennenswerte Zwischenfälle, so ist aus dem Jahr 1623 überliefert, dass Obrist Melchior von Kayn mit Mannschaften und 1000 Pferden durch Zwönitz Richtung Böhmen zieht und alles was sie unterwegs ergreifen konnten, mit sich nahmen und damit alle Straßen unsicher wurden. Wie gut, wer hier einen Wächter hat, der die Stadteinwohner rechtzeitig warnen kann. Doch erst ab dem Jahr 1632 kommt der Krieg so richtig in Zwönitz an. Über Jahre ziehen nun Truppen durch Zwönitz, plündern, erspressen, vergewaltigen Frauen und Mädchen, schleppen die Pest ein, foltern, morden und zünden Häuser an. Immer wieder erkauften sich die Zwönitzer teure Schutzbriefe, erhielten aber durch die daraufhin gestellten kleinen Schutzwachen oft keinen ausreichenden Beistand. Am 08. März 1644 beschloss der Zwönitzer Rat deshalb, im Notfall eine eigene bewaffnete Bürgerwehr zusammenzurufen, an deren Beteiligung jeder Bürger unter Androhung empfindlicher Strafen verpflichtet war. Diese Wehr sollte Zwönitz vor neuerlichen Einfällen und den bekannten Folgen schützen. Im Protokoll besagter Ratsitzung ist unter Punkt 8 zu lesen, dass falls eine Truppe einfällt oder durch Zwönitz zieht, der Notfall zum Zusammenrufen der Bürgerwehr durch 3 oder mehr Glockenschläge angezeigt werden soll. Dies wiederum setzt voraus, dass irgendjemand rechtzeitig von den herannahenden Truppen Kenntnis bekommen musste. Was wäre hier sinnvoller, als auf dem Kirchturm einen Wächter=Türmer zu platzieren, welcher sofort die Glocken betätigen konnte, sobald am Horizont Truppen auftauchten? Leider ist uns wie bereits erwähnt nicht überliefert, ob es bis zum endgültigen Abzug der Schwedischen Truppen im Jahr 1650 in Zwönitz einen von der Stadt bestellten Türmer gab. Bemerkenswert ist jedoch noch, dass die Ersterwähnung eines amtlichen Nachtwächters exakt aus diesem Jahr 1650 stammt.

 

Wolfgang Triebert
Bürgermeister