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Landwirtschaft startet in die neue Saison - Landwirte stehen täglich vor neuen Herausforderungen

Wer täglich unterwegs ist, wird seit einigen Wochen unweigerlich im Straßenverkehr damit konfrontiert, dass es ab und an etwas langsamer vorwärts geht. Mit Ende der winterlichen Frostperiode gehören Traktoren und Feldtechnik wieder zum Straßenbild, und die sind schon mal ein wenig langsamer unterwegs.

Dabei haben es die Landwirte schon ein wenig eilig, denn auf den Feldern der Agrargenossenschaften und privater Bauern liegt jede Menge Arbeit. Die Vorbereitung der Ackerflächen, pflügen, düngen, eggen, das Ausbringen der Saat oder das Legen von Kartoffeln haben in diesen und den kommenden Wochen Vorrang.

 

Auf den Feldern rund um Zwönitz geht es wieder rund. Durch den langanhaltenden Frost bis Ende März gingen den Landwirten einige Wochen verloren. Mit viel Kraft, guter Organisation und genauer Planung ist der Rückstand inzwischen wieder aufgeholt.

Neue Investitionen, wie hier die 2017 neu errichtete Milchviehanlage, die die Dorfchemnitzer Agrargenossenschaft mit ihrem Gornsdorfer Kooperationspartner in Auerbach betreibt, gehören dazu, um das Rad wirtschaftlich am Laufen zu halten. Die neue Stallanlage ist weitläufig geplant mit viel Platz für die Tiere. Auch die Verbesserung der Haltungsbedingungen ist bei solchen Neuinvestitionen ein großer Faktor. [Foto: André Dix]

Im Brünloser Schweinestall züchten die Dorfchemnitzer Landwirte Tiere der besonderen Art. Für den Hauptabnehmer, die Neuwürschnitzer Fleisch- und Wurstwaren AG, findet ein besonders schonendes Mastverfahren Anwendung, welches sich äußerst positiv auf die Fleischqualität auswirkt. [Foto: André Dix]

Immer wieder ein Thema: Berufsausbildung und Berufsnachwuchs. Immer wieder entscheiden sich junge Leute für das Berufsbild Landwirt. Diese werden auch in Zukunft dringend gebraucht. Die Dorfchemnitzer errangen im vergangenen Jahr den Siegertitel im bundesweiten Wettbewerb Ausbildungsbetrieb des Jahres. [Foto: André Dix]

Auch als Erzeuger alternativer Energien betätigt sich die Genossenschaft seit Jahren. Mit Kraft-Wärme-Kopplung und Photovoltaik erzeugen sie so saubere Energien, die für das öffentliche Netz oder lokale Abnehmer bestimmt sind.

Nach den ruhigen Wintermonaten sind die Landwirte nun wieder voll gefordert. Da geht der Arbeitstag schon mal ein paar Stunden länger. Denn ein halbfertig bestelltes Feld kann man nicht einfach mal bis zum nächsten Tag stehen lassen. Man muss schon was aushalten können, wenn man in diesem Beruf arbeitet. Nur einer von einhundert Arbeitnehmern arbeitet im bundesdeutschen Durchschnitt in der Landwirtschaft. Trotzdem oder besser gesagt, zum Glück, gibt es immer wieder junge Leute, die das Berufsbild des Landwirts für sich entdecken und die ihren Job gut und gerne machen. So arbeiten in Zwönitz und seinen Ortsteilen etwas über 150 Menschen im Haupterwerb in den Agrarbetrieben. Das sind vier Prozent aller in Zwönitz sozialversicherungspflichtig tätigen Arbeitnehmer und damit viermal so viel wie im Bundesdurchschnitt. Was es heutzutage bedeutet, in der Landwirtschaft zu arbeiten, welche Probleme bewältigt und welche Lösungen gefunden werden, haben wir exemplarisch am Beispiel der Agrargenossenschaft Dorfchemnitz recherchiert.

In der Agrargenossenschaft Dorfchemnitz herrscht schon am frühen Morgen emsiges Treiben. Auf dem Fuhrparkhof stehen die Traktoren bereit, an einigen hängt schon das Arbeitsgerät für den Feldeinsatz. Das überwiegend trockene Wetter der letzten Tage ist günstig. Bis zum nächsten Regenguss muss noch einiges erledigt werden. Im Büro, bei den Agraringenieuren, laufen die Fäden zusammen. Hier wird geplant und koordiniert. Es muss wirtschaftlich zugehen, denn Maschinen und Personal sollen effizient und kostensparend arbeiten.

Nach wie vor herrscht in der Landwirtschaft Kostendruck. Denn der Preis, der für die eingefahrene Ernte erzielt wird, wird weder von Angebot und Nachfrage oder gar durch die Landwirte selbst bestimmt. Vielmehr ist der Abnahmepreis nicht mal mehr verhandelbar. Vor allem der Milchpreis war

in den vergangenen Jahren ein repräsentativer Gradmesser für diese Misere. Nicht wenige Milchbetriebe mussten das Handtuch werfen, fast alle haben diese Zeit mit Schmerzen hinter sich gebracht oder sich mit Rücklagen über Wasser gehalten. Noch heute, gut ein Jahr, nachdem die Regulierung des Milchpreises angepasst wurde, spüren die meisten Landwirte die Auswirkungen.

Auch Bernd Voitel, Chef der Dorfchemnitzer Agrargenossenschaft, kann ein Lied davon singen. Jeder Tag, den seine Kühe im Stall standen und Milch gaben, verursachte mehr Kosten als Ertrag. Zur Kostendeckung werden 35 Cent/kg benötigt. Derzeit beträgt der Milchpreis 29 Cent/kg. Das ist in der Feldwirtschaft oftmals nicht viel anders. Außenstehende wundern sich oft, dass die Feldflächen für eine Kultur immer größer werden. Die Technik, die darauf arbeitet, wächst im gleichen Maße mit. Große, teure Maschinen sind jedoch kein Zeichen von Wohlstand, sondern ein notwendiges Übel, um dem Hektarertrag überhaupt noch wirtschaftlich zu gestalten. Zudem hat die Landwirtschaft zunehmend mit der Globalisierung zu kämpfen. Bisher war der Rapsanbau für die Biodieselerzeugung ein willkommenes Nebengeschäft. Mittlerweile drängt südamerikanisches Sojaöl auf den deutschen Markt, dass dem Rapsöl zur Biodieselerzeugung zu einem Bruchteil des Preises Konkurrenz macht.

Die Landwirte sind daher immer wieder auf der Suche nach Möglichkeiten, die Effizienz ihrer Betriebe zu steigern. Die Dorfchemnitzer zum Beispiel gingen im Jahr 2012 eine Kooperation mit der Gornsdorfer Agrarproduktion GmbH ein. Auf einem gemeinsamen Weg bündelt man Kompetenzen, Technik und Personalkraft. Das macht das Wirtschaften leichter, ist nachhaltig und zukunftssicher.

Um voran zu kommen, sind ständig neue Investitionen nötig. So errichteten die Dorfchemnitzer in Kooperation mit den Gornsdorfer Kollegen 2017 neue Rinder-Stallungen in Auerbach. Hier stehen 450 Kuhplätze und 100 Kälberplätze für die Milcherzeugung zur Verfügung. Eine ebenso gelungene Verbindung fand man in der Zusammenarbeit mit der Neuwürschnitzer Fleisch- und Wurstwaren AG. Für diese züchtet die Dorfchemnitzer Agrargenossenschaft in ihren Ställen in Brünlos und Hormersdorf Tiere in einem besonders schonenden Mastverfahren. Damit erreicht man die vom Abnehmer gewünschte, besonders hochwertige Fleischqualität und kommt dem Credo des Kunden entgegen, der hohen Wert auf regionale Erzeuger legt.

Auch in Punkto Nutzung und Vermarktung erneuerbarer Energien spielen die Dorfchemnitzer Landwirte seit vielen Jahren mit. Mit zwei Biogas betriebenen Blockheizkraftwerken (BHKW) erzeugen sie eine elektrische Leistung von 353 Kilowattstunden und 419 Kilowattstunden thermische Energie. Die Wärmeleistung wird in ein Nahwärmenetz eingespeist, das nicht nur die Gebäude der Genossenschaft beheizt und zur Trocknung des Getreides benötigt wird. Auch die benachbarte Falke-Strumpffabrik hängt als größter Abnehmer an diesem Netz sowie weitere Abnehmer wie der örtliche Kindergarten, private Haushalte oder die Knochenstampfe. Zudem erzeugt eine Photovoltaikanlage 385 Kilowattstunden Strom, der mit der elektrischen Leistung der BHKW zu einhundert Prozent ins öffentliche Netz eingespeist wird. Ein weiteres Standbein wurde durch die Eröffnung 2015 des Landhandels in Gornsdorf geschaffen.

Alles in allem müssen sich die Landwirte jedes Jahr auf neue Herausforderungen einstellen. Mit einem ruhigen und romantischen Landleben hat das Bewirtschaften des Landes wahrlich nichts mehr zu tun. Auch wenn neue Technik dabei hilft, die schwere Arbeit in kürzerer Zeit zu verrichten, dient sie letztlich nur als Mittel zum Zweck der Betriebswirtschaftlichkeit. Dennoch würden sich die Landwirte wünschen, den Faktor Natur noch mehr in den Fokus zu rücken. Letztlich jedoch hängen nicht nur eine Reihe Arbeitsplätze von dieser Wirtschaftlichkeit ab, sondern auch der Fakt, dass wir in den Supermarktregalen preiswerte Lebensmittel kaufen können. Und wer von preiswert spricht, der meint nicht billig. Es ist wohl eine prinzipielle Sache, dass die einen genug Geld in der Tasche haben, um die Dinge zu kaufen, die andere erzeugen und zu einem fairen Preis handeln können. Ein Prinzip, dass beide Seiten nur schwer beeinflussen können, weil der Profit auf dem Zwischenweg bei Einkäufern und Handelsketten hängen bleibt.

Umso erfreulicher ist es dennoch, dass es immer noch und immer wieder Menschen gibt, die in der Landwirtschaft für uns als Verbraucher täglich ackern.