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Möglicher Windpark bekommt Gegenwind - Einwohnerversammlung zum gegenwärtigen Stand der Planung

Es ist nicht das erste Mal, dass über das Thema Windpark in Zwönitz diskutiert wird. Mehrfach erteilte der Technische Ausschuss, wie auch die Zwönitzer Stadträte, dem Projekt des zuständigen Planungsverbandes zum Vorranggebiet Windenergie auf Niederzwönitzer und Dorfchemnitzer Flur eine Absage. Am vorletzten Donnerstag, dem 11. Januar, hatte die Stadtverwaltung zur Einwohnerversammlung eingeladen. Hier wurde über das Vorhaben und die Hintergründe informiert. Die weit über 70 Bürger, die diese Veranstaltung besuchten, hatten dazu eine ganz eindeutige Meinung.

Windpark Niederzwönitz / Dorfchemnitz
Einwohnerversammlung
Anlagenstandorte

Der Saal im Gasthof "Zur Linde" ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Einige Einwohner begnügen sich mit einem Stehplatz. Auf der großen Leinwand an der Bühne sieht man den Planungsentwurf des Planungsverbandes. Dieser weist 21 Standorte für Windkraftanlagen mit einer Höhe zwischen 100 bis 150 Meter aus. Viele der Gäste auf der Versammlung sehen diesen Plan zum ersten Mal. Zunächst herrscht unter den meisten Sprachlosigkeit.

Bürgermeister Wolfgang Triebert eröffnet die Versammlung und geht zunächst auf die Lage der Windkraftanlagen ein. Der vorliegende Planungsentwurf stellt mit 21 Standorten auf einer Fläche von 58 Hektar die maximale Ausbaudichte dar. Das dieses Szenario so umgesetzt werden wird, hält Wolfgang Triebert allerdings für eher unwahrscheinlich. Vielmehr hält er es für realistischer, sollte es tatsächlich zum Bau der Anlagen kommen, dass mit einer deutlich geringeren Anzahl an Windrädern zu rechnen sei. Diese jedoch könnten nach dem derzeitigen Stand der Technik dann auch 200 Meter Höhe erreichen. "Nur mal zum Vergleich: Der Geyerische Fernsehturm ist auch um die 200 Meter hoch", so Triebert.

Ebenso verweist er darauf, dass sich die Stadt, wie auch der Technische Ausschuss und der Stadtrat, seit 2013 mit dem Planungsvorhaben beschäftigt hat und mehrfach eine negative Stellungnahme zum Vorhaben abgegeben habe. Zuletzt geschah dies mit der einstimmigen Ablehnung einer Beteiligung an der diesbezüglichen Eigentümergesellschaft durch den Stadtrat im November vergangenen Jahres.

Den Grund für die ablehnende Haltung macht der Bürgermeister an verschiedenen Punkten fest. Zum einen wäre da die gravierende Veränderung des Landschaftsbildes. Egal, ob es nun letztlich nur fünf bis sechs große Anlagen oder im maximalen Ausbau 21 Windräder wären. Das Panorama mit dem Weitblick auf den Fichtelberg würde sich äußerst negativ verändern. Dies sei jedoch nach gängiger Praxis kein Argument, um ein solches Projekt nicht in die Tat umzusetzen.

Noch gewichtiger schätzt Bürgermeister Wolfgang Triebert jedoch die Tatsache ein, dass die Windräder sich äußerst negativ auf die zahlreichen Naturschutzflächen und Naturflächendenkmale und Flächennaturdenkmale im direkten Umfeld auswirken werden. "Mit unzähligen Arbeitsstunden haben Naturfreunde hier einen Rückzugsort für eine Reihe seltener und zum Teil gefährdeter Vogelarten geschaffen. Zudem wurden für diese Naturschutzmaßnahmen öffentliche Mittel in Form von Steuergeldern investiert", so Triebert. Jedem leuchtet ein, dass an dieser Stelle die ökologische Stromgewinnung dem Naturschutz in den Karren fährt. Dem Planungsverband sei diese Kollision mit dem Artenschutz bekannt. Das Vorkommen bedrohter Arten wie Schwarzstorch und Rotmilan ist dokumentiert und nachweisbar. Inwieweit dies dem Projekt entgegenwirkt, ist aus heutiger Sicht trotzdem noch nicht abschätzbar.

Und auch die Auswirkungen für die direkt im Umfeld lebenden Menschen hält der Bürgermeister für nicht unerheblich. Zwar weisen die Planungsunterlagen maximale Bauhöhen der Anlagen entsprechend ihrem Abstand zur nächstgelegenen Wohnbebauung aus, die nach geltenden Normen zulässig sind. Dennoch ist es nicht auszuschließen, dass bei entsprechend hoher Laufleistung der Anlagen und ungünstiger Windrichtung auch in Zwönitz das Schlagen der Rotorblätter zu vernehmen sein könnte. Als größtes Problem sieht er jedoch den Schlagschatten. "Je nach Stand der Sonne ist der kilometerweit zu sehen."

Und auch über folgenden Sachverhalt informierte der Bürgermeister: "2017 kam ein Schreiben auf unseren Tisch, ob sich die Stadt an einer GbR beteiligen wolle, in der sich die Grundstückseigentümer zusammengeschlossen haben, die ihr Land für den Windradbau verpachten würden. Auch wir als Stadt haben im besagten Gebiet ein Stück Land. Nach einer Diskussion im Stadtrat haben wir uns entschieden, dies nicht zu tun. Wir wollen unserer ablehnenden Haltung zum Projekt treu bleiben und uns nicht beteiligen".

Abschließend skizzierte Bürgermeister Triebert den weiteren zeitlichen Ablauf, wie es nach dem neuerlichen Veto der Stadt weitergehen wird. "Im ersten Quartal 2018 wird es seitens des Planungsverbandes eine Umweltprüfung geben. Hier wird der Fokus sicherlich auf dem Artenschutz liegen. Ebenfalls bis Ende März wird eine Abwägung bzgl. Industrie und Gewerbe erfolgen. Bis Ende April folgt dann die Abwägung zum regionalen Energiekonzept. Ende Juni werden die Planungen dann erneut offengelegt. Ob Zwönitz dann in den Planungsunterlagen noch auftaucht, wird sich zeigen."

Nach der Informationsrunde kam für die Einwohner die Gelegenheit, ihre Meinung kund zu tun und Fragen zu stellen. Um eins gleich vorweg zu nehmen: Kaum einer der Anwesenden hat wirklich etwas gegen alternative Energiegewinnung. Nur die Tatsache, dass nach mehrfachen Widersprüchen durch die Kommune und offensichtlichen Gegenargumenten das Projekt immer noch nicht vom Tisch ist, stieß auf Unverständnis.

In der Fragerunde nutzte zunächst Anke Jordan von der Bürgerinitiative "Gegenwind Niederzwönitz-Dorfchemnitz" die Gelegenheit, die Ausführungen des Bürgermeisters zu bekräftigen und mit weiteren Argumenten zu untermauern. So zum Beispiel die durch den Betrieb der Windkraftanlagen entstehenden Infraschall-Luftschwingungen, die unterhalb der Hörschwelle liegen aber dennoch auf das Gehör von Mensch und Tieren wirken. Sie verwies ebenfalls auf eine ab Ende Januar geplante und an den Planungsverband gerichtete Unterschriftensammlung, die das Veto der Kommune unterstützen soll.

Unter der Vielzahl der Wortmeldungen kam auch die Frage auf, ob es eine Möglichkeit gebe, aktiv gegen den Windpark vorzugehen. Hier bezogen sich mehrere Stimmen auf ein Gegengutachten zur angekündigten Umweltprüfung des Planungsverbandes, für den Fall, dass diese Prüfung zu Gunsten des Windparks ausfallen könnte. Auch wurde angeregt, gegen das Planungsvorhaben eine Klage einzureichen. Beide Möglichkeiten wären sicher gangbare Wege. Jedoch gab Wolfgang Triebert hier zu bedenken, dass man nicht gegen irgendwen, sondern gegen den Freistaat Sachsen klagen würde und mit entsprechenden Widerständen und mit höchst qualifizierter rechtlicher Vertretung zu rechnen sei. Dies würde, genau wie ein entsprechendes naturschutzfachliches Gutachten, ein ganze Stange Geld verschlingen. Geld, was zunächst einmal aufgebracht werden müsse. Zudem erteilte er einem vorfristigem Gutachten ein klare Absage und begründete dies: "... wir wissen ja noch gar nicht, auf welcher Grundlage die Umweltprüfung argumentiert. Dies sollte ein Gegengutachten zielgerichtet tun, um erfolgreich zu sein".

Auch die Frage, ob man die Eigentümer zwingen könne, nicht zu verpachten, fand eine deutliche Antwort. "Ich bitte hier um Vorsicht. Jeder solle sich selbst prüfen, was er tun würde, wenn er der Eigentümer wäre und ein solches Angebot erhalten würde. Es gehört viel Größe und Idealismus dazu, um Nein zu sagen. Es wäre falsch, pauschal über jemanden zu urteilen", so Wolfgang Triebert.

Fasst man den Abend zusammen, wird deutlich, dass dieses Thema die Gemüter stark bewegt. Unterschiedlich sind die Gründe, gleich jedoch das Ziel. Stadtrat Stefan Wappler und Bürgermeister Wolfgang Triebert sind sich in Einschätzung darüber einig, dass die Entscheidung, die Ausschuss und Stadtrat getroffen haben, dem Vorhaben zu widersprechen, mehrheitlich der Meinung der Bürger entspricht.

Nun bleibt es abzuwarten, ob Zwönitz in der neuen Offenlegung Ende Juni noch immer als Vorhaben ausgewiesen sein wird. Wie es danach weiter geht, wird sich zeigen. Der nächste Widerspruch, das nächste Aufbegehren? Vielleicht ist bis dahin die Windenergie für die Investoren auch nicht mehr attraktiv genug. Vielleicht haben dann auch Experten errechnet, ob die Energiebilanz zwischen der Herstellung eines Windrades und der daraus erzeugten Energie wirklich positiv ist. Fragen, die die Gemüter auch weiterhin bewegen werden. Wir werden zu gegebener Zeit darüber informieren und berichten.