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Sommerzeit mit Freud und Leid

Das Freud und Leid meist eng beieinander liegen ist nicht nur sprichwörtlich, sondern oft naturgemäß. Die zurückliegenden Sommerwochen geben uns hierfür ein gutes Beispiel. Seit der zweiten Juliwoche haben wir Sonne satt. Ein Bilderbuchsommer mit blauem Himmel und ständig steigenden Temperaturen. Optimal für diejenigen, die ihre Urlaubs- und Ferienzeit genießen dürfen.

Freud und Leid liegt in den letzten heißen Sommerwochen nah beieinander. Während sich die einen über optimales Bade- und Ferienwetter freuen, stöhnen die anderen unter der Hitze. Vor allem die Landwirte sind stark von der anhaltenden Hitzewelle mit einhergehender Dürre betroffen. Foto Landwirtschaft: André März

Spiegelglatt fließt das Wasser der Zwönitz an der Pegelmessstelle in Niederzwönitz vorbei. Nur ein Sechstel der Wassermenge als normal üblich führt die Zwönitz. Am 5. August erreichte der Fluss mit 13 Zentimeter seinen vorläufig tiefsten Stand.

Die Getreideernte ist an vielen Stellen nahezu schon abgeschlossen. Hitze und Trockenheit sorgten für eine vorzeitige Reife. Durch das mangelnde Wasser konnte sich das Korn jedoch nicht so gut entwickeln. Ernteausfälle in Größenordnung sind also vorprogrammiert.

Ganz deutliche Spuren hinterließ die lange Trockenheit in den Wäldern. Viele Laubbäume haben schon jetzt mangels Wasser auf Herbst geschaltet. Die Knospenbildung ist vielfach abgeschlossen, die Blätter der Bäume sind schon jetzt herbstlich eingefärbt.

So zeichnet sich auch das Bild unserer Freibäder, die sich mit zunehmender Hitze auf immer mehr Badegäste freuen. Bereits Anfang August erreichte die Zahl der Besucher im Zwönitzer Bad den Stand des gesamten Vorjahres. Fast täglich strömen um die 1.200 Badegäste dorthin um Abkühlung zu genießen. Ein ähnliches Bild zeichnet sich in Brünlos ab. Mit knapp 800 Badegästen erreichte man am letzten Julitag im Brünloser Freibad diesjährigen Spitzenwert. Auch sonst verlief die Saison mehr als zufriedenstellend.
Und auch Eiscafés und Gastronomen können sich über den Zustrom an Kunden nicht beklagen. So darf es hier und da schon gern mal eine erfrischende Kugel Eis mehr sein. Die Biergärten sind gut belegt und der Durst ist ob der Trockenheit obligatorisch.
Apropos Durst... Der bringt ein weiteres Phänomen mit sich. Denn der hat inzwischen dazu geführt, dass einige Getränkeabfüller und Brauereien einen enormen Mangel an Leergutrücklauf melden. In der Zwönitzer Brauerei sieht man die Situation hingegen entspannt. "Wir haben uns schon vor dem Sommer auf eine größere Nachfrage gut vorbereitet und für entsprechende Reserven an Kästen gesorgt", bestätigt Braumeister Dominik Naumann. Generell scheint aus seiner Sicht der Konsum von Mineralwasser und anderen Erfrischungsgetränken höher zu sein. Sommerliche Spitzenwerte in Sachen Bierkonsum, zeichnen sich aus seiner Sicht nicht unbedingt ab.

Doch bei allem Genuss und aller Freude über den an sich großartigen Sommer, gibt es auch Schattenseiten. Denn mittlerweile habe nicht Wenige Grund genug über Hitze und Trockenheit zu stöhnen.
Jeder der ein kleines Stück Grün sein Eigen nennt, kennt das Problem der Trockenheit. Seit Anfang Juli hat es nicht mehr ausreichend geregnet. Nur lokal dreht der Himmel mal für ein paar Minuten die Schleusen auf. Die dabei herunter kommenden Regenmengen sind jedoch absolut unzureichend. Inzwischen sind vielerorts die Wasserreserven aus Regentonne und Co. aufgebraucht. Seit vorletzter Woche gilt nun das Schöpfverbot der Wasserbehörde, der die Entnahme von Wasser aus Bächen und Flüssen gänzlich untersagt. Der Wasserstand in der Zwönitz hat mit 13 Zentimeter seinen vorläufigen Tiefststand erreicht. Rund 21 Zentimeter wäre der Normalpegel. Das macht sich enorm in den Durchflussmengen bemerkbar, die in der Regel bei unter einem halben Kubikmeter Wasser in der Sekunde liegen. Aktuell ist die Durchflussmenge mit 0,038 Kubikmeter je Sekunde nur weniger als ein Zehntel des Normalwertes.

Was im privaten Garten zum Teil noch mit teurem Leitungswasser überbrückbar ist, ist im Großen, nämlich in der Landwirtschaft, undenkbar. Die Landwirte müssen die Situation des mangelnden Niederschlags ertragen, wohlwissend um die Konsequenzen, die dahinter stehen. So rechnen auch die Bauern und Agrarbetriebe in Zwönitz mit gehörigen Einbußen bei der Ernte. Fehlendes Wasser verhindert das natürliche Wachstum und die Reifeentwicklung der Pflanzen. Schon jetzt müssen Getreidefelder geerntet werden, die unter normalen Witterungsbedingungen mit genügend Regen, erst in ein paar Wochen reif gewesen wären. Die Auswirkungen sind bei allen Kulturen zu spüren. Bei Getreide entwickeln sich die Körner nicht so wie sie sollen. Oftmals fehlt es dem Korn an einem naturgemäß gut entwickelten Mehlkörper. Auch den Kartoffeln fehlt das Wasser. Die Folge ist, dass das Wachstum der Knolle stellenweise stark zurückgeht. Dies spielt zwar grundlegend bei der Qualität der Kartoffel keine vorrangige Rolle, macht sich jedoch im Gesamtertrag stark bemerkbar. Auch Mais und Futtergras sind von der Trockenheit betroffen. Wie hoch der Schaden insgesamt ausfallen wird, kann nach heutigen Erkenntnissen noch niemand beziffern. Fakt ist jedoch, dass die landwirtschaftlichen Betriebe mit roten Zahlen rechnen müssen. Ausgerechnet da, wo durch Verfall der Abnehmerpreise in den letzten Jahren, enormer Kostendruck herrscht. Eine Bilanz, die sich in Zahlen ausdrückt, wird man erst nach der letzten Ernte des Jahres ziehen können.

Ein ähnliches Bild zeichnet die Forstwirtschaft. Hier ist zwar prinzipiell nicht von Ernteausfällen die Rede. Dennoch schadet der Fehlende Regen dem Baumbestand. So spricht der Forstwirt beispielsweise von fehlendem Zuwachs, also eingeschränktem Wachstum der Bäume. Jede Baumart ist davon betroffen. Die Bäume leiden unter Trockenstress, der sich gerade bei Fichten stark bemerkbar macht. Die lieben es eigentlich etwas feuchter und weniger warm. Generell jedoch sieht man keine gravierende Gefahr für den Baumbestand. Da sich vergleichsweise nur wenig Schadholz im Wald befindet, rechnet man auch nicht damit, dass der schwarze Borkenkäfer in Größenordnung Schaden anrichten könnte. Zudem sei das Reliefbild unserer heimischen Wälder sehr zuträglich dafür, dass der Wald einigermaßen gut die Hitze und Trockenheit übersteht. Viele Hänge seien nur moderat der Sonne ausgesetzt. Tallagen bieten oft noch ein ausreichendes Reservoir für Feuchtigkeit. Ein unverkennbares Zeichen der Trockenheit sei jedoch, dass sich in einigen Walbeständen schon jetzt der Herbst ankündigt. Dies zeigt zum Beispiel der Bergahorn, der sich in unserer Region in die Fichtenwälder mischt. So färben sich schon jetzt die Blätter gelb und fallen ab. Die Knospenbildung ist bei vielen Bäumen schon abgeschlossen. Ein klares Zeichen für Wassermangel. Kritisch ist auch die Gefahr von Waldbränden. Zwar würden laut Sachsenfort unsere heimischen Wälder noch gut gegen Brandgefahren gewappnet sein. Denn Fichten- und Mischwälder haben naturgemäß kein so hohes Potential für einen Waldbrand wie die Wälder in Nordsachen oder die Norddeutschen Kiefernwälder. Die Gefahr liegt eher in den auf dem Waldboden liegenden, abgefallenen und trockenen Nadeln der Bäume. Daher appelliert der Sachsenforst eindringlich, sich an die bestehenden Vorschriften zu halten. Feuer und Rauchen im Wald sind absolut tabu. Auch hat niemand mit seinem Fahrzeug etwas im Wald verloren. Waldbesucher sollten möglichst auf den Wegen bleiben und sein Fahrzeug sollte man möglichst weit vom Waldrand parken. Generell wären die Forstwirte froh, wenn sich die Trockenheit, abgesehen von ein paar lokalen Regenfällen wieder normalisiert. Doch es muss wohl schon schlimmere Jahre gegeben haben. In den 1970 Jahren herrschte ebenfalls über eine lange Zeit Dürre. Da haben selbst die Fichten ihre Zapfen Ende Juli abgeworfen.

Dass durch den Wassermangel auch der Wasserstand der Tiefbrunnen leidet, war aus dem Elterleiner Ortsteil Burgstädtl zu erfahren. Dort sind alle Bewohner mittels Brunnen Selbstversorger. Eine Anbindung ans öffentliche Trinkwassernetz hat Burgstädtl nicht. So meldete die Diakonie Aue/Schwarzenberg, das in dem dort von ihr betriebenen Objekt Bethlehemstift die Wasserreserven aus dem Brunnen nahezu erschöpft sind. 30 Kinder einer Feriengruppe, die hier zu Gast sind, sitzen beinahe auf dem Trockenen. Hilfe kam vom Zweckverband Wasserwerke Westerzgebirge (ZWW), der daraufhin die Belieferung mit Trinkwasser übernahm. Die Stadtverwaltung Zwönitz sprang ebenfalls mit ein und organisierte, dass die Feriengäste die Duschen im Sportkomplex nutzen durften.

Bis Mitte vergangener Woche war immer noch kein wesentlicher Niederschlag zu verzeichnen. Am 31. Juli lag der Temperaturspitzenwert in Sachen bei 37,8 Grad Celsius. Bis in diese Woche hinein, ging es mit Trockenheit und Hitze weiter. Experten zu Folge, soll sich daran auch in den kommenden Jahren nichts ändern. Dies allerdings bleibt dies abzuwarten, denn solche Ausnahme-Sommer hat es schließlich schon in der Vergangenheit gegeben.
Nach vielen Wochen Hitze wünschen sich die meisten einen normalen Sommer, zumindest etwas Abkühlung und Niederschlag in der Nacht. Was wir keinesfalls gebrauchen können sind tagelange Wolkenbrüche. Denn die würden dank des steinharten, ausgedörrten Bodens gleich zur nächsten Katastrophe in Form von Überschwemmungen führen.